Angst

Eine Angst wird gebohren

Posted by Roland on Juli 11, 2015No Comments

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Angst an sich ist weder gut noch schlecht. Sie ist eine unserer menschlichen Emotionen und ohne sie hätten wir wohl als Spezies nicht überlebt. Jedoch kann auch diese Emotion sich ins Negative wandeln, wenn sie nicht im rechten Maß vorhanden ist. Leben wir in Furcht vor der Welt, so wird diese Emotion der Angst bestimmend für unser Handeln und wir erleben sie als Schwäche, als Feigheit.

Im anderen Extrem finden sich jene, die auch dann keine Angst verspüren, wenn es eigentlich angebracht wäre. Diese gehen dann oftmals blind und ohne die rechte Vorbereitung auf Ereignisse zu. Hier nimmt der Mangel an Angst die Form der Schwäche, nämlich die des Übermutes, an.

 

Viele benutzen Drogen um aus der Schwäche der Feigheit zu entfliehen, nur um sich anschließend im anderen Extrem wiederzufinden.

 

Um die Schwäche der Feigheit jedoch zu überwinden, müssen wir uns unseren Ängsten stellen. Nicht übermütig und ohne rechte Vorbereitung, sondern mit vorher gesuchter Hilfe und Ausrüstung.

 

Oft kann ein besseres Wissen über eine Sache helfen, die Angst davor abzuschwächen. Zusätzlich können wir uns an jene wenden, die ihre Angst überwunden haben und uns dort Rat einholen.

 

Schließlich ist es dann aber unsere Aufgabe, dass wir uns unseren Ängsten stellen.

 

Eine Angst wird geboren:

 

Als kleines Kind hatte ich zwei Begegnungen mit Hunden, die mein Handeln in Gegenwart dieser Tiere stark beeinflusste. Mit knapp zwei Jahren krabbelte ich wohl den Flur entlang in Richtung Tür, als jemand diese öffnete und ich mich Auge in Auge mit einem Dackel wiederfand, der mich prompt ankläffte und anknurrte.

 

Den Erzählungen meiner Verwandten nach wurde meine Angst vor Hunden da geboren. Sicher bin ich mir allerdings nicht, denn eine andere Begegnung brannte sich viel stärker in meine Erinnerung.

 

Wir waren bei Bekannten aus der Kirche zu Besuch. Das Haus und die Kinder waren etwas verwahrlost, was ich natürlich mit fünf oder sechs noch nicht so wahrnahm, viel verwahrloster war allerdings der Hund der Familie.

 

Gegen Nachmittag gingen alle Kinder zusammen mit der jugendlichen Tochter und dem Hund auf den Spielplatz. Der Hund bellte und knurrte die meiste Zeit und ich glaube alle hatten ein wenig Angst vor ihm.

 

Es geschah als ich gerade auf einer der Schaukeln saß, dass der Hund sich von dem Griff des Mädchens losriss und unter lautem Kläffen auf uns Kinder zu gerannt kam.

 

Alle liefen in panischer Angst in verschiedene Richtungen los, in Richtung von Rutschen oder Gerüsten. In meiner Panik war ich jedoch in eine Richtung losgelaufen, in der es keine rechte Zuflucht gab. Trotzdem versuchte ich so schnell ich konnte einen leicht erhöhten hölzernen Unterstand zu erreichen. Ein Blick über meine Schulter zeigte mir, dass der Hund mir folgte und mir meine Angst dazu verhalf noch schneller zu laufen bot der Unterstand keinen Schutz. Als ich gerade die erste Stufe erklomm spürte ich wie sich die Zähne des Tieres tief in meinen Rücken bohrten.

 

Der Schock der folgte sorgte dafür, dass ich kaum wahrnahm wie das ältere Mädchen den Hund wegzerrte. Auch der Weg zurück zum Haus Bekannten und zum Arzt für eine Tetanusspritze nahm ich kaum war.

 

Seit diesem Tag plagte mich eine extrem starke Furcht vor Hunden. Diese ging so weit, dass ich selbst wenn mir jemand mit einem kleinen Hund entgegen kam, die Straßenseite wechselte.

 

Als Erinnerung habe ich auf dem Rücken keine Narbe im herkömmlichen Sinne, sondern einen blutrote Fleck, der auch ein Muttermal sein könnte. Tatsächlich dachte ich für einige Jahre, in denen ich dieses traumatische Kindheitserlebnis verdrängte, der Fleck sei ein Muttermal (Ich habe sogar Proben beim Hautarzt nehmen lassen weil ich nicht wusste was es war). Erst später, nachdem ich die Angst langsam überwand kam die Erinnerung zurück.

 

Es mussten viele Begegnungen mit extrem gut erzogenen oder von Natur aus ruhigen Hunden vorübergehen, bevor diese Furcht begann aufzuweichen. Mehr als einen Hund habe ich schätzen gelernt und von einigen bin ich mir sicher sie hätten ihr Leben für ihre menschlichen Gefährten gegeben.

 

Überwinden der Schwäche als Weg zu innerer Stärke

 

Trotzdem habe ich meine irrationale Furcht noch nicht vollends ablegen können. Jedes Mal schätze ich die Situation ab, überlege vorher kurz wie ich mich selbst Schützen könnte und trete bewusst gegen meine Furcht an.

 

Ich bin überzeugt, dass mir das Überwinden dieser Furcht erlauben wird zu wachsen und stärker zu werden. Vielleicht sogar stärker als ich je hätte werden können, hätte ich diese Schwäche nicht gehabt.

 

Viele von uns haben vermutlich eine Angst von der wir den Verdacht haben, dass sie unbegründet ist. Ich denke es ist an der Zeit, dass wir uns vorbereiten und uns diesen Ängsten stellen.

 

Ich bin mir sicher, dass hier viel Potential für das Wachstum innerer Stärke verborgen liegt.

 

Angst

Angst by (Gerd Altmann)

 

Vielen Dank!

 

Roland

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