elephant fight

Was man gegen Mobbing tun kann

Posted by Roland on Juni 7, 2015One Comment

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Der (Selbst)Hass von Täter und Opfer

 

Wir haben es wohl alle schon erlebt. Jemand in unserem Umfeld kann uns offensichtlich nicht leiden und versucht uns das Leben zur Hölle zu machen. In der Schule gehörte ich zu denen, die von den selbst etablierten Klassentyrannen gehänselt und niedergemacht wurden. In dieser Rolle fühlte ich mich gefangen. Kaum in der Lage aus eigener Kraft auszubrechen und auch betrogen durch meine Freunde, die nichts unternahmen. Natürlich handelten die anderen aus Selbstschutz und Furcht und man kann von Kindern wohl auch nicht mehr erwarten. Ich war mir kaum einer Schuld bewusst, außer anders auszusehen als die Anderen.

Auf der Suche nach einer Möglichkeit diesen Attacken und den Tätern zu entgehen flüchtete ich mich oft in die Welt der Bücher oder Computerspiele. Natürlich versuchte ich auch verschiedenste Ratschläge von Eltern und Lehrern in die Tat umzusetzen um die Attacken zu stoppen. Erst später wurde mir klar, wie arm und klein sich die Täter fühlen und dass es tatsächlich ihre eigene Schwäche ist, die sie zu Tyrannen werden lässt.

 

Nach Jahrzehnten in denen ich diese Art der Misshandlung erlebt habe kenne ich mittlerweile die Möglichkeiten, die sich scheinbar präsentieren sehr gut und möchte diese gerne hier diskutieren. Wenn du der du das liest jemand bist, solche körperliche oder psychische Gewalt erfährst, so hoffe ich, dass dir die folgenden Worte Hilfe bieten.

 

Zunächst müssen wir die Realität annehmen, dass wir an den Schwäche des Täters, seiner Unsicherheit, seinem Selbsthass oder Minderwertigkeitskomplexen nichts ändern können. Das können nur die Täter selbst. Wir müssen uns also auf die Möglichkeiten konzentrieren, die wir für unser eigenes Selbst und unser Verhalten haben. Das Wichtigste ist es, zu wissen, dass der Fehler nicht bei dir zu suchen ist. Du bist ein wertvoller Mensch und hast jedes Recht in Frieden zu leben.

 

Welche Optionen haben wir also?

 

1. In der Opferrolle bleiben

 

Natürlich ist diese Option wenig erstrebenswert trotzdem möchte ich sie hier kurz reflektieren. Sehen wir uns selber in der Opferrolle und verhalten uns so, so erhält der Täter die Bestätigung die er sucht. Das Opfer muss weiterhin selbst versuchen seine Wunden physischer und psychischer Natur so gut es geht zu versorgen.

 

Täter werden

 

Oft werden Opfer aufgrund der traumatischen Erlebnisse später selbst zu Tätern. Teils sogar indirekt etwa durch die Weitergabe der Gewalt an kleinere Geschwister oder wehrlose Tiere.

 

2. Neutralität (passiv aggressiv?)

 

Von Erwachsenen (Eltern / Lehrern) bekommt man häufig den Rat sich neutral zu verhalten, um dem Täter weniger Genugtuung zu geben. Da wir allerdings nie wahrhaft neutral sein können, die Täter von Mitläufern trotzdem noch Anerkennung bekommen und vielleicht kein besseres, wenig gefährliches Opfer zur Verfügung steht, geht die Misshandlung oft weiter. So ist leider viel zu oft das Ergebnis dasselbe wie bei der ersten Möglichkeit. Wenn wir hiermit Erfolg haben sollten bedeutet dies aber auch, dass der Täter sich mit hoher Wahrscheinlichkeit ein neues Opfer sucht und seine Misshandlungen dort fortsetzt.

 

3. Gegengewalt

 

Für viele Menschen ist der erste Impuls nicht die Gegengewalt, wenn sie von jemand scheinbar stärkerem angegriffen werden, sondern die Flucht. Da Flucht in vielen Umständen nicht möglich ist, ertragen sie also körperlich die Gewalt und flüchten im Geiste. Jedoch kommen auch diese Menschen früher oder später an den Punkt, dass sie der Gewalt mit Gewalt begegnen. Tatsächlich kann dies dazu führen dass der Täter von einem ablässt, meist werten diese das jedoch als die lang ersehnte Möglichkeit mehr Gewinn aus einem Opfer zu schlagen, das sich verzweifelt zu wehren versucht.

 

Erst wenn wir an den äußersten Rand gedrängt werden, den Punkt wo unser inneres Selbst kurz davor ist unter dem Druck und dem Schmerz zu zerbrechen, wenden sich einige der dunklen Seite ihrer Seele zu und nutzen den Hass und den Schmerz um dem Anderen Gewalt anzutun. So entstehen Massaker an Schulen, nicht durch die Computerspiele oder Bücher in die man sich geflüchtet hat.

 

Ich selbst habe mich in der Vergangenheit auch in dieser Situation wiedergefunden. Zum Glück hatte ich aber Menschen, die mir auf ihre Weise durch diese Zeit geholfen haben. Die Gewalt die ich eingesetzt habe um aus einer besonders üblen Missbrauchssituation zu entkommen war nicht physisch sondern psychisch. Die Fantasien, die mir über die Jahre gekommen waren sprach ich eines Abends einfach mit voller Inbrunst aus. Die Furcht meines Täters war für einen Moment eine Wohltat. Die Genugtuung hielt länger an als ich hier zugeben möchte.

 

Gleichzeitig erlaubte mir aber die innere Abkehr von meiner Opferrolle den Anderen als das zu sehen was er wirklich war. Heute habe ich nur noch Mitleid für diesen Menschen übrig. Seine Art hat ihn zu genau dem Außenseiter gemacht, welche er früher missbrauchte.

 

4. Liebe

 

Erst mit Abstand von den Situationen lässt sich oft erkennen, wie sehr die Täter oft den Opfern ähneln. Beide sind nicht im Einklang mit sich selbst und dadurch auch nicht im Einklang mit der Welt. Oft haben beide daraus einen enormen Selbsthass entwickelt, der sich in dem Missbrauch äußert. Niemand ist nur Täter oder nur Opfer, wir alle tragen die Saat des Guten und des Bösen in uns. Unsere Aufgabe als Mensch ist es aber die gute Saat zu fördern und unser äußeres und inneres Selbst zu entwickeln.

 

Mir war es erst möglich die Vergangenheit, den Hass, die Wut, die Traurigkeit und vor allem den Selbsthass loszulassen und mich selbst neu zu erfahren, nachdem ich meinen Tätern vergab und sie für das annahm was sie sind, Opfer ihrer Umstände oder ihrer eigenen Schwächen. Während ich diese Zeilen schreibe gibt es aber immer noch einen, dem ich nicht verziehen habe. Manche Wunden gehen so tief, dass es unglaublich schmerzhaft ist sie zu öffnen, mit Liebe zu versorgen und die Verunreinigungen zu entfernen damit sie letztlich heilen können.

 

Wenn dir so großes Leid angetan wurde, dass es undenkbar scheint, so bitte ich dich dir Hilfe zu suchen. Für die schweren Wunden brauchen wir einen Arzt, egal ob es Wunden des Körpers oder des Geistes sind. Diese wissen oft besser wie man vorgehen kann und ob man die Kugel vielleicht sogar lieber in der Wunde belässt um nicht noch größeren Schmerz zu erzeugen. Ob dieser Arzt einen Titel braucht oder nur ein liebevolles Herz hängt von unseren Umständen ab.

 

Tu heute den ersten Schritt. Fang mit den kleinen Wunden an. Ich reiche dir heute die Hand. Lass uns gemeinsam den Weg in unser Leben wagen. Und dann wenn du besser sehen kannst wo der Weg hinführt und du festen Boden unter deinen Füßen hast reiche jemandem die Hand der sie noch dringender braucht als du. Du wirst erstaunt sein wie du bei so viel Gleichgesinnten je allein sein konntest.

 

elephant fight

elephant fight (by Christine Sponchia)

 

Vielen Dank dass es dich gibt.

 

Roland

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One comment to "Was man gegen Mobbing tun kann"

  1. Karin sagt:

    Mein Lieber, ich schäme mich und bin traurig, dass ich dir nicht besser zur Seite gestanden und vieles überhaupt nicht mitbekommen, bzw. falsch bewertet habe. Bitte verzeih mir! Mami

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