Identity

Identität – Wer bist du wirklich?

Posted by Roland on April 18, 2015One Comment

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Wer bin ich? Wo geht meine Reise hin? Was will ich erreichen? Mit diesen zentralen Fragen müssen wir uns beschäftigen, wenn wir mehr sein wollen als ein willenloser Roboter der für andere lebt und arbeitet. Unsere Identität, das was unser äußeres und inneres Selbst ausmacht ist uns oft verborgen. Ohne darüber zu reflektieren ist es für viele nicht möglich Klarheit zu bekommen und selbst dann ist es teilweise nur durch die Rückschau auf den Werdegang der Identität erkennbar wer man ist und wie man seine zukünftige Identität beeinflussen und formen kann und möchte.

 

Im Gespräch mit einem guten Freund wurde uns deutlich, dass für lange Jahre unsere Identität „Ich bin der, der zu viel wiegt und versucht abzunehmen“ war. Dies war es worum sich mein Leben und das des Freundes drehten. Für ihn kam es später als ein Schock zu erleben, dass nachdem er dieses Ziel erreicht hatte, seine Identität bis in die letzte Konsequenz verfolgt hatte, nur wenig Identität übrig blieb. Sein Weg des Abnehmens hatte ihn aber schon ein gutes Stück an die Identität des Sportlers herangeführt und so war dies sein Ausweg und sein neues Selbst. Nun war seine Identität „Ich bin der, der die gewaltigsten Rekorde in meinem Sport bricht“. Zum Glück fand er einen tieferen Lebenssinn und eine ausgewogenere Identität bevor er nicht nur Rekorde sondern auch seinen Körper zerbrach. Sehr weit war er davon nicht mehr entfernt.

 

Für mich selbst dauerte es länger diese Identität abzulegen und selbst als ich es endlich tat, war mir nicht bewusst, dass mein Leben sich tatsächlich für Jahre um diesen Mittelpunkt gedreht hatte. Natürlich hatte ich es als wichtigen Teil meiner Schwächen gesehen und damit gerungen. Meine größere Schwäche, meine Wut und mein Hass gegen mich selbst blieben mir aber dadurch verborgen. Erst als ich mich anderen Zeilen zuwandte, und den Kampf mit dieser kleineren Schwäche als das sah was er war, nämlich ein Stellvertreterkrieg, mit dem ich den echten Feind nie bekämpfen konnte, war es mir möglich meine Identität neu zu überdenken. In der Rückschau werden die verschiedenen Stationen meines Lebens mit den dazugehörigen Identitäten die ich angenommen hatte deutlich. All diese Änderungen waren nötig um zu dem zu werden was ich jetzt bin und um nach dem zu Streben was meine Vorstellung eines erfüllten und guten Lebens ist.

 

Der Augenblick, an dem mir diese Dinge das erste Mal bewusster wurden, war ein unglaublich beängstigender. Ich erkannte, dass meine Identität eigentlich gar keine war. Mir fehlte ein grundlegendes Verständnis dafür was mich ausmacht, ja wer ich eigentlich bin. Die Monate, die sich danach anschlossen nutzte ich um die leisen Ansetze guter Aspekte meiner Selbst zu erforschen. Ich las viele Bücher und Blogs und sprach mit anderen viel offener als jemals zuvor über die möglichen Wege die sich uns offenbaren und warum sie sich für ihren Weg entschieden hatten. In dieser Zeit öffnete ich meinen Geist für so viele wundervolle und weiterführende Gedanken, dass es geradezu berauschend wirkte. Für Wochen schwebte ich auf einer Ebene in der ich mir vorkam wie sich wohl ein Mönch kurz vor der Erleuchtung fühlen muss. Ein grundlegender innerer Friede und eine Ruhe in meinem Herzen wie ich sie zuvor nicht kannte. Und das alles obwohl ich, oder vielleicht auch gerade weil ich diese Zeit ohne die Einnahme von Rauschmitteln, weder viel Zucker noch Alkohol, erlebte.

 

Natürlich kam auch irgendwann die Ernüchterung. Aus diesem gewaltigen Wust aus Möglichkeiten musste ich nun anfangen mein eigenes Weltbild und mein eigenes Selbstbild zu formen. Es ging nicht von einem Tag auf den Anderen. Über ein Jahr verbrachte ich die Zeit neben Arbeit und sozialen Verpflichtungen damit meine Möglichkeiten auszuloten und Wege zu testen. Die meisten davon beschritt ich zunächst im Geiste. Die Frage war immer wer ich sein würde, wenn ich dieser Denkweise anhängen würde, wer entstehen würde am Ende eines Lebens und ob dieses Leben ein gutes wäre. Die Güte liegt hier natürlich vollkommen im Auge des Betrachters und dieses wird sich sicherlich im Laufe der nächsten Jahre noch auf neue Gegebenheiten und Erfahrungen einstellen. Nichts bleibt auf ewig so wie es ist. Alles ist im Fluss. Ob wir die richtigen Werkzeuge wählen um uns und die Menschen die uns wichtig sind auf dieser turbulenten Reise, die das Leben ist, zu unterstützen und zusammen zu halten erfahren wir erst wenn wir sie brauchen. Das gute ist, dass viele Menschen vor uns schon viele dieser Wege beschritten haben und auch wenn unserer nicht dabei war (weil es ihn ohne uns nicht gibt) so können wir trotzdem versuchen von ihnen zu lernen und uns für die meisten Unwegsamkeiten rüsten.

 

Vielen Dank!

Roland

 

Identität

Identität (by johnhein)

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One comment to "Identität – Wer bist du wirklich?"

  1. Karin sagt:

    Sehr viele berührende Worte und gute Gedanken!

    Weiter so!
    Karin

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